So wählen Sie den richtigen CNC-Drehmaschinen Hersteller

von Andreas Strobl, veröffentlicht am 14. Februar 2019

CNC Drehmaschinen Hersteller

Wer hochpräzise Zerspanungsprozesse heute wirtschaftlich, effizient und schnell realisieren will, kommt kaum mehr um den Einsatz leistungsstarker CNC-Drehmaschinen herum. Neben der Auswahl der für Sie richtigen Drehmaschinentechnologie (siehe hierzu auch unseren Blog „CNC Drehmaschine kaufen – Faktoren, auf die Sie achten sollten“), ist die Auswahl des für Sie richtigen Drehmaschinenherstellers von großer Bedeutung.

Im Folgenden erfahren Sie, wie Sie den für Sie richtigen CNC-Drehmaschinenhersteller leichter finden.

Passt Ihre Anforderung zur Zielgruppe des Herstellers?

Genau wie Sie, so hat auch jeder CNC-Drehmaschinenhersteller eine oder mehrere Zielgruppen, für welche sein Produktprogramm entwickelt und optimiert ist.

Vorrangig gilt es herauszufinden, ob Ihre Aufgabe bzw. Ihr Unternehmen zur Zielgruppe des Maschinenherstellers passt – und umgekehrt natürlich auch. Sind Sie eigentlich der Wunschkunde des Herstellers?

Erst im Anschluss daran sind Faktoren wie die räumliche Nähe, kulturelle Unterschiede, die Innovationskraft sowie der Innovationswille, Service- und Ersatzteilkonzepte des CNC Maschinenherstellers für Sie interessant.

Wir möchten Ihnen die Suche gerne etwas strukturieren und Ihnen Tipps bei der Suche nach dem geeigneten Partner geben. Wie ist eine CNC-Drehmaschine aufgebaut?

Die Zielgruppen der Hersteller

Im Prinzip ist es für Sie sehr einfach herauszufinden, ob Sie zur richtigen Zielgruppe des Herstellers gehören. Die Maschinenbauer unterscheiden sich hierbei meist wie folgt:

CNC Drehmaschinen Hersteller wählenAn dieser Stelle kann und soll nicht gewertet werden was oder wer besser ist.

Die Hersteller, die die jeweiligen Zielgruppen bedienen, haben alle ihre Berechtigung, ihre Vorteile und auch ihre Nachteile. Wählen Sie selbst, in welcher Gruppe Sie sich am ehesten wiederfinden. Manche Hersteller bedienen auch mehrere dieser Zielgruppen.

Wie kann ich die Hersteller voneinander unterscheiden?

  • Hersteller von Standardmaschinen sind in der Regel große Unternehmen, oft in Konzern-Struktur, meist mit internationalen Produktions-, Vertriebs- und Servicestandorten, und haben immer eine „Katalog-Maschine“.
  • Hersteller von kundenspezifisch angepassten Serienmaschinen sind in der Regel mittelgroße Familienunternehmen, sind meist regional verwurzelt, haben ein internationales Netz an Vertriebs- und Servicepartnern und bauen ihre Maschinen meist in einem „Baukastensystem“.
  • Hersteller von Sondermaschinen sind in der Regel sogenannte KMUs (kleine und mittelständische Unternehmen). In ihren Auftritten steht die Prozesslösung im Vordergrund und nicht der Maschinenbau.

Sie haben eine Wahl getroffen. Herzlichen Glückwunsch! Sie haben die erste und vielleicht wichtigste Hürde genommen.

Wenn Ihre Wahl auf einen CNC Drehmaschinenhersteller gefallen ist, der kundenspezifisch angepasste Serienmaschinen baut, dann lesen Sie gerne weiter und verfeinern Ihre Suche.

Welche Faktoren zeichnen einen guten Hersteller von CNC-Maschinen aus?

1. Entwicklung und Konstruktion

Die Abteilungen Entwicklung und Konstruktion (elektrisch, fluid und mechanisch) sind fest in eigener Hand. Es wird mit moderner CAD Software konstruiert. Die Mitarbeiter sind entsprechend gut geschult. Und es gibt ein ausgewogenes Verhältnis aus erfahrenen und jüngeren Mitarbeitern sowie zwischen Ingenieuren, Technikern und technischen Zeichnern. Der Anteil dieser Mitarbeiter am Gesamtunternehmen sollte nicht unter 10% liegen.

2. Softwareentwicklung und Anwendungstechnik

Die Abteilungen Softwareentwicklung und Anwendungstechnik sind fest in eigener Hand. Nur so ist sichergestellt, dass schnell und professionell auf die kundenspezifischen Anpassungen reagiert werden kann. Auch hier sollte der Anteil Mitarbeiter am Gesamtunternehmen nicht unter 10% liegen.

3. Projektmanagement

Der Hersteller hat ein Projektmanagement installiert. Die Projektleiter sind das Sprachrohr für die interne und externe Kommunikation. Sie sind für die Einhaltung der terminlichen und finanziellen Vorgaben verantwortlich.

4. Transparenz

Der Hersteller hat ein funktionierendes und über alle Abteilungen durchgängiges ERP System im Einsatz. Dies schafft Transparenz in den Abläufen und sichert die hohen Anforderungen in Bezug auf Dokumentation.

5. Vorabnahme der Drehmaschine

Die Maschinen werden im eigenen Hause montiert, die Fertigungsprozesse werden eingefahren und getestet. Vor Auslieferung wird im Hause des Herstellers eine Vorabnahme durchgeführt.

6. Klimatisierter Messraum

Ein guter Hersteller von CNC Drehmaschinen verfügt über einen klimatisierten Messraum, ausgestattet mit allem notwendigen Equipment und betreut von einem Spezialisten / einer Spezialistin. Nur so kann die Maschinen- und Prozessfähigkeit nachgewiesen werden.

7. Drehversuche

Ein sehr guter Hersteller hat von jeder Drehmaschine mindestens ein eigenes Exemplar im Hause. Diese Maschinen sind reserviert für Vorführ- und Versuchszwecke sowie für Kundenschulungen. Drehversuche vor Auftragsvergabe dienen der Risikominimierung bzw. der Absicherung des angedachten Herstellungsprozesses.

8. Service

Eine eigene Serviceorganisation mit Spezialisten an der telefonischen Hotline, mit der Möglichkeit der Ferndiagnose sowie einem guten Netzwerk an Servicetechnikern sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Selbiges gilt für die Versorgung mit Ersatz- und Verschleißteilen. Ein guter Hersteller hat hierfür individualisierbare Angebotspakete. Der Anteil der Service-Mitarbeiter am Gesamtunternehmen sollte auch hier nicht unter 10% liegen.

9. Besuch beim Hersteller

Im Internet sowie in bunten Hochglanzbroschüren versichern Ihnen alle Hersteller diese Eigenschaften. Machen Sie sich selbst ein Bild vor Ort. Ein seriöser Hersteller von CNC Drehmaschinen wird sich jederzeit über Ihren Besuch freuen.

Daher gilt: Wählen Sie Ihren Partner für die Zukunft mit Bedacht. Lassen Sie zu diesem Zeitpunkt den finanziellen Aspekt noch ganz weit unten auf Ihrer Prioritätenliste.

Sie haben nun zwei bis drei Maschinenbauer in der Auswahl oder Sie haben Ihren Lieferanten bereits ausgewählt. Nochmals herzlichen Glückwunsch! Die zweite wichtige Hürde ist genommen.

„Soft Facts“ mit großem Einfluss auf die Entscheidung

Am Ende des Tages werden Geschäfte im Investitionsgüterbereich immer noch zwischen Menschen gemacht. Und das ist gut so! Vertrauen Sie neben den harten Fakten auch Ihrem Bauchgefühl.

Nachdem Sie Ihre persönliche Vor-Auswahl eines (oder mehrerer) möglichen Lieferanten getroffen haben, möchten Sie die ersten gemeinsamen Schritte gehen. Sie möchten eine Anfrage für eine Werkzeugmaschine stellen und erwarten ein Angebot.

Wie beurteilen Sie z. B. folgende Faktoren:

  • Geheimhaltung: Wurde eine gegenseitige Vertraulichkeitserklärung abgeschlossen?
  • Aufgabendefinition: Wurden Ihre Anforderungen seriös aufgenommen, diskutiert und bewertet? War ein Mitarbeiter des Maschinenbauers diesbezüglich in Ihrem Hause?
  • Anfrageunterlagen: Hat der Mitarbeiter des Maschinenbauers von Ihnen alle relevanten Unterlagen wie z. B. technische und kaufmännische Lastenhefte, Zeichnungen, Qualitätskriterien, Abnahmebedingungen, Liefertermine und Budgets eingefordert? Nur so ist sichergestellt, dass Sie ein Angebot erhalten, das Ihren Bedarf deckt.
  • Angebotserstellung: Haben Sie das Angebot für die Maschine rechtzeitig erhalten? War das Angebot verständlich und umfassend? Wurde es Ihnen im persönlichen Gespräch erklärt?
  • Vertriebsmitarbeiter: Wurden Ihre Terminwünsche erfüllt? War der Vertriebsmitarbeiter pünktlich? Wie war das Auftreten des Verkäufers? War dieser authentisch, technisch gut fundiert und ausreichend vorbereitet? Wurde Ihnen ein Besuch im Herstellerwerk angeboten?
  • Bearbeitungsversuch: Wurde Ihnen ein Bearbeitungsversuch angeboten?
  • Kommunikation: Gibt es sprachliche Barrieren oder sonstige Schwierigkeiten in der Kommunikation z. B. durch verschiedene Zeitzonen?
  • Zölle und Einfuhrbeschränkungen: Gibt es zu dem Land des CNC Maschinenherstellers politische Einschränkungen? Fallen Zölle an? Gibt es Einfuhrbeschränkungen? Kann in der Währung Euro bezahlt werden oder gibt es Risiken der Wechselkurse?
  • Herstellerland: Ist der Firmensitz des potenziellen Lieferanten in einem EU-Mitgliedsstaat? Wird die Werkzeugmaschine auch in der EU gebaut oder handelt es sich um eine Importmaschine?
  • Service: Wurden Ihnen Angebote über Schulungen, Wartungen und Ersatzteile unterbreitet? Wo ist der nächste Servicepartner stationiert? Wie ist die Serviceverfügbarkeit?
  • Innovationen: Wie versiert ist der Anbieter in Bezug auf die Anforderungen der Digitalisierung, Stichwort Industrie 4.0? Gibt es hier schon dokumentierte Erfolge?

Die Liste kann mit Ihren ganz persönlichen Kriterien beliebig erweitert werden.

Fazit: Auf die Vorarbeit kommt es an

Nehmen Sie sich Zeit.

Wählen Sie zuerst entsprechend Ihrer Anforderungen die Zielgruppe der Maschinenbauer aus. Auditieren Sie daraufhin die möglichen Lieferanten und Partner der Zukunft. Achten Sie hierbei auf die Faktoren, die einen guten Hersteller von Werkzeugmaschinen auszeichnen. Und zu guter Letzt: achten Sie neben den harten Fakten auch auf Ihr Bauchgefühl.

Es geht um den Erfolg beider Seiten. Aus Kunde und Lieferant soll eine langjährige Partnerschaft entstehen. Wie im echten Leben: „… d'rum prüfe wer sich ewig bindet!“

Kategorien:CNC Drehmaschinen
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